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Bonjour Charlottengrad

Eine Collage aus dem kosmopolitischen Herzen der Hauptstadt

Berlin 1920. Die drittgrößte Stadt der Welt. Eine riesige und wilde Mischung aus überbordender Kultur, Musik, Ideen und Trends, ekstatischer Freizügigkeit, auf die die ganze Welt neidisch und fassungslos blickt, aufkeimender Blockwartmentalität, zig Nationalitäten, die in der Stadt stranden und ihr Glück suchen, unverhohlenem Rassismus , unanständigem Reichtum, allgegenwärtiger hausgemachter Armut und untergründig bereits kräftig wucherndem Faschismus. In dieser Zeit lebt alles in Berlin, was Rang und Namen hat und alle, die schon in ihren Ländern Größen waren. Sie fangen hier, als Flüch tlinge im Exil, meist als Niemand an. Manchmal bleiben sie niemand, manchmal werden sie von hier aus weltberühmt.

Maler, Tänzer, Komponisten, Filmproduzenten und Literaten sind in Berlin. Aus Russland z.B. Nabokov, Belyi, Sklovwski, geflohen vor den blutig en Auswüchsen der sowjetischen Novemberrevolution. Viele Juden sind darunter. Auch Françoise Frenkel ist eine Jüdin. Sie stammt aus Polen und hat in Paris studiert. Als Frau! Sie ist wahnsinnig genug, zwei Jahre nach dem 1. Weltkrieg eine französische Buchhandlung neben dem KaDeWe zu eröffnen. Literatur vom „Erzfeind“! Wer würde sowas lesen? Wer würde dahin kommen? Alle.

Besonders die Russen, die hier inzwischen so zahlreich geworden sind, dass die Berliner den Stadtteil „Charlottengrad“ nennen. Sie und all die anderen intellektuellen Ausländer und auch die Deutschen, für die Bücher nicht „Bedrohung“ und „Feindpropaganda“, sondern Geistesnahrung, Trost und Heilung sind, finden sich hier ein. Berühmte Franzosen kommen auch. André Gide hält Vorträge, Henri L ichtenberger liest vor, Madame Colette tritt auf…

Die Buchhandlung wird zu einem kulturellen Gravitationszentrum und Ausstrahlungspunkt. Bis, ja bis… Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht. Sie hat nichts übriggelassen und bis heute haben wir uns von diesem Verlust in Deutschland nicht erholt. An der Stelle der Buchhandlung ist heute ein Parkhaus.

Das Künstlerduo BLUM & Heckmann, bestehend aus der Kabarettistin und Sängerin MARIANNE BLUM und dem Schauspieler Stefan Heckmann, zündet in diesem Bühnenprogramm eine literarische Rakete nach der nächsten. Sie erzählen die wahre Geschichte der berühmten Buchhandlung und des kosmopolitischen Berlin der 20er als fulminante Collage der Stimmen, Musik und Personen. Sie feiern den Reichtum der Zeit und di e Abgründigkeit. Gleichzeitig wird klar: Alles ist wieder da. Das ist nicht weit weg und schwarz -weiß. Wir sind in den 20ern. Jetzt.

Das ist lebenspralles Literatainment!
Ca. 2 x 45 min. mit Pause
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