Marianne Blum und Thomas Linke in ANNES KAMPF in der Kulturraffinerie Monheim

Monheim am Rhein · 15. & 16. Oktober 2026

ANNES KAMPF bewegt Monheim

Ein Abend, der unter die Haut geht – und ein Morgen, der zum Nachdenken anregt.

Sammy Blum · 18. Oktober 2026

Mit „ANNES KAMPF – Anne Frank vs. Adolf Hitler“ waren wir am 15. und 16. Oktober 2026 zu Gast in der frisch eröffneten Kulturraffinerie in Monheim am Rhein.

Was für ein Ort für diese Begegnung: Die direkt am Rheinufer neu eröffnete Kulturraffinerie, eine der modernsten Veranstaltungsstätten Europas, bot den Rahmen für zwei Vorstellungen, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie aktuell, notwendig und berührend Theater sein kann.

Wenn Theater nicht mehr loslässt

„Absolut bewegend und man möchte, dass es jede:r sieht.“

Das schrieb uns eine Zuschauerin nach der Abendvorstellung. Sie hatte den Theaterabend gemeinsam mit ihrem Sohn erlebt und schilderte uns, dass beide tief bewegt sind von dem, was die Inszenierung ausgelöst hatte: Gefühle, Gedanken und die dringende Frage, wie wir mit Hass, Menschenverachtung und der Verführbarkeit durch Demagogie umgehen.

Sie beschrieb, wie schwer es ihr fiel, die erschreckende Authentizität von Hitlers Sprache auszuhalten – und wie sehr sie zugleich von der Darstellung Anne Franks beeindruckt war. „Sie beide waren fantastisch!“, schrieb sie.

Solche Worte freuen uns nicht nur, sie erinnern uns auch daran, warum wir dieses Stück spielen.

Außenansicht der Kulturraffinerie Monheim am Rhein
Die Kulturraffinerie in Monheim am Rhein | Foto: SAM Entertainment

Die Zumutung gehört dazu

In „ANNES KAMPF“ treffen zwei Welten aufeinander: die Gedanken und Worte eines Menschen, der zum Symbol für millionenfachen Mord und menschenverachtende Ideologie wurde, und die Aufzeichnungen eines jüdischen Mädchens, dessen Leben durch genau diese Ideologie zerstört wurde.

Diese Gegenüberstellung ist keine leichte Kost. Sie soll verstören, Widersprüche offenlegen und dazu zwingen, hinzuhören – auch dann, wenn das Gehörte kaum auszuhalten ist.

Die Zuschauerin schilderte eindringlich, wie sehr sie die Darstellung Hitlers durch Thomas Linke aufgewühlt hatte. Sie schrieb, die Darstellung sei für sie beinahe „zu echt“ gewesen und sie habe sich zwingen müssen, nach der Pause zurückzukehren. Gerade Gestik, Mimik und Sprachduktus hätten die Demagogie und Menschenverachtung erschreckend unmittelbar werden lassen.

Marianne Blum und Thomas Linke auf der Bühne bei ANNES KAMPF in Monheim
„ANNES KAMPF“ in der Kulturraffinerie Monheim | Foto: SAM Entertainment

Doch sie kam nach der Pause wieder – nicht zuletzt wegen Marianne Blums Darstellung von Anne Frank, die das jüdische Mädchen als starke, eigenständige Person mit einer großen Bandbreite von Emotionen und klugen Gedanken zeigt.

„Ich finde nur Superlative für Ihr Spiel der Anne Frank und Ihren Gesang mit und ohne selbst gespielte Ukulele.“

Besonders beeindruckt zeigte sich die Zuschauerin von der stimmlichen und schauspielerischen Bandbreite Marianne Blums – vom pubertierenden Mädchen über jiddische Klezmer-Lieder bis hin zur musikalischen Verwandlung. Diese Rückmeldungen machen deutlich, wie unmittelbar Theater wirken kann.

Mehr als ein Theaterabend

Das zeigte sich auch im regen Publikumsgespräch nach der Vorstellung. Denn „ANNES KAMPF“ endet nicht mit dem letzten Satz und nicht mit dem Schlussapplaus. Das Stück lebt davon, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen, ihre Gefühle teilen und sich mit dem auseinandersetzen, was sie gerade erlebt haben.

So berichtete ein Mann öffentlich von der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit seines eigenen Vaters. Eine junge Zuschauerin erzählte von den Konflikten in ihrer Familie aufgrund der politischen Haltung ihres Vaters – und von ihrer Sorge um Gleichaltrige.

Diese Reaktionen und die anschließende schriftliche Rückmeldung aus Monheim haben uns noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig dieser Austausch ist. Die Zuschauerin schrieb, dass sie den Abend als so intensiv und bereichernd empfunden habe, dass sie das Gefühl hatte, für diesen Abend „VIEL zu wenig bezahlt“ zu haben. Für Idee, Leidenschaft und Mitmenschlichkeit hinter unserer Arbeit dankte sie uns mit einem ausdrücklichen Wunsch: „Bitte machen Sie weiter! Es ist so wichtig und inspirierend.“

Genau dafür machen wir Theater.

Blick aus dem Zuschauerraum auf ANNES KAMPF in der Kulturraffinerie Monheim
Ein gut besuchter Abend in der Kulturraffinerie | Foto: SAM Entertainment

150 Schülerinnen und Schüler – und viele Fragen

Dass die Abendvorstellung so gut besucht war, freut uns sehr. Dass wir am folgenden Morgen auch mit 150 Schülerinnen und Schülern in diesen Stoff eintauchen konnten, ist mindestens ebenso wichtig.

Gerade junge Menschen müssen Räume bekommen, in denen sie sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus, mit Antisemitismus und mit der Wirkung extremistischer Sprache auseinandersetzen können. Nicht nur anhand von Zahlen und historischen Fakten, sondern auch emotional, unmittelbar und im gemeinsamen Gespräch.

Denn Geschichte ist nicht einfach vorbei. Die Mechanismen von Ausgrenzung, Verführung und Menschenverachtung müssen erkannt werden, damit wir ihnen heute etwas entgegensetzen können.

Dass sich die jungen Menschen ebenso wie das gemischte Publikum am Vorabend rege an der Nachbesprechung beteiligten, freut uns umso mehr. Viele Jugendliche zeigten ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, wie soziale Medien und algorithmisch verstärkte Inhalte Radikalisierungsprozesse begünstigen können. Demgegenüber können unmittelbare, analoge Erlebnisse wie Theater andere emotionale Anknüpfungspunkte schaffen und für menschenverachtende Sprache sensibilisieren.

Marianne Blum und Thomas Linke in ANNES KAMPF mit Anne Franks Tagebuch und Mein Kampf auf der Bühne
Marianne Blum und Thomas Linke in „ANNES KAMPF“ | Foto: SAM Entertainment

Theater kann etwas bewegen

Wir bedanken uns herzlich beim Publikum in Monheim am Rhein, bei allen Schülerinnen und Schülern sowie bei den Menschen, die diese beiden Vorstellungen möglich gemacht haben. Und natürlich bei der Zuschauerin, die uns mit ihren offenen, differenzierten und so wertschätzenden Worten beschenkt hat.

Wir nehmen diese Begegnung mit – als Ermutigung, als Auftrag und als Bestätigung, dass Theater etwas bewegen kann.

Danke, Monheim! Wir sehen uns wieder.

Mehr über „ANNES KAMPF“

Anne Frank vs. Adolf Hitler – eine Inszenierung, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet.

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