Davon geht die Welt nicht unter

Davon geht die Welt nicht unter

Im Kurtheater Bad Ems

Sammy Blum · 22. September 2026

Ein Abend wie gemacht für dieses Theater

„Davon geht die Welt nicht unter“ im Kurtheater Bad Ems

So war es am 19. September im Kurtheater Bad Ems. Im Rahmen des Festivals „Gegen den Strom – Festival an der Lahn“ gastierte SAM Entertainment mit „Davon geht die Welt nicht unter – die 20er Jahre sind jetzt!“ in diesem außergewöhnlichen Haus.

Das gut gefüllte Theater, ein spielfreudiges Ensemble und ein Publikum, das sich hörbar amüsierte, machten aus diesem Gastspiel einen jener Abende, bei denen schnell klar wird: Hier stimmt etwas zwischen Bühne, Stück und Raum.

Davon geht die Welt nicht unter in Bad Ems
Foto: SAM Entertainment

Wenn die 20er Jahre auf die 20er Jahre treffen

„Davon geht die Welt nicht unter“ spielt mit zwei Zeiten.

Da sind die 1920er Jahre mit ihren gesellschaftlichen Umbrüchen, ihrer Unsicherheit und zugleich ihrem Hunger nach Leben, Musik und Unterhaltung. Und da sind unsere 2020er Jahre, die diesen erstaunlich oft näher sind, als uns lieb sein kann.

In einer Berliner Künstlerwohnung treffen diese Welten aufeinander: der aufstrebende Schriftsteller Emil Henneberger aus den 1920er Jahren und die Sängerin Sissi Schmidt mit ihrer Pianistin Henriette „Henry“ Bauch aus den 2020ern. Sie alle eint ein Wunsch: auf die Bretter zu kommen, die die Welt bedeuten.

Humor, Musik, schnelle Szenenwechsel und Kabarett verbinden dabei die beiden Epochen. Das Stück knüpft an eine Tradition an, für die Namen wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Claire Waldoff und Billy Wilder stehen: Unterhaltung, die leicht daherkommen darf und trotzdem etwas über ihre Zeit erzählt.

Und dann ist da dieser Ort.

Davon geht die Welt nicht unter in Bad Ems
Foto: SAM Entertainment
Spielbank, Kurtheater mit Marmorsaal und das Häcker’s Grand Hotel bilden ein historisches Ensemble, das noch heute etwas von der großen Zeit des traditionsreichen Kurortes spüren lässt. Die Veranstalter haben sich vorgenommen, diesen besonderen Ort wieder stärker zu beleben und an seinen früheren Glanz anzuknüpfen.

Dafür braucht es mehr als schöne Räume.

Es braucht Kultur von hoher Qualität, die zu diesem Ort passt, seine Geschichte ernst nimmt und ihn zugleich mit neuem Leben erfüllt.

Genau deshalb fühlte sich „Davon geht die Welt nicht unter“ an diesem Abend hier so richtig an.

Die Musik, der Witz, die Eleganz und die Reminiszenzen an die Unterhaltungskultur der 1920er Jahre bekamen im historischen Kurtheater eine zusätzliche Dimension. Für einen Abend schien etwas von jener großen Theater- und Unterhaltungstradition wieder aufzuleuchten – nicht als nostalgische Kopie vergangener Zeiten, sondern als lebendige Begegnung mit der Gegenwart.

Das ist schließlich auch die Idee unseres Stückes: Vergangenheit nicht ins Museum zu stellen, sondern sie mit unserer Gegenwart ins Gespräch zu bringen.

Fürstlich untergebracht

Davon geht die Welt nicht unter in Bad Ems
Foto: SAM Entertainment
Dass wir diesen besonderen Ort nicht nur von der Bühne aus erleben durften, machte unser Gastspiel noch schöner.

Untergebracht waren wir im Häcker’s Grand Hotel – und „fürstlich“ ist dafür tatsächlich das passende Wort. Nach der Anreise und der Vorstellung nicht irgendwohin weiterfahren zu müssen, sondern mitten in diesem historischen Ensemble zu bleiben, war ein Erlebnis für sich.

So wurden aus einer Vorstellung und einer Übernachtung ein kleiner Aufenthalt in einer Welt, in der Architektur, Geschichte, Theater und Gastlichkeit unmittelbar zusammengehören.

Und vielleicht versteht man gerade dann besonders gut, welches Potenzial dieser Ort besitzt.

Wenn ein Theater wieder zum gesellschaftlichen Ort wird

Davon geht die Welt nicht unter in Bad Ems
Foto: SAM Entertainment
Die Idee der Veranstalter, dieses Ensemble wieder zu altem Glanz zurückzuführen, hat uns deshalb sehr angesprochen.

Denn historische Kulturorte leben nicht allein von ihrer Architektur. Sie leben von dem, was in ihnen geschieht. Von Künstlerinnen und Künstlern, von Musik und Theater – und vor allem von einem Publikum, das diese Räume wieder in Besitz nimmt.

Am 19. September war davon viel zu spüren.

Das Haus war gut gefüllt. Es wurde gelacht, mitgefiebert und die Spielfreude auf der Bühne fand ihre Antwort im Zuschauerraum. Gerade diese unmittelbare Reaktion ist für uns immer wieder das Schönste am Theater: Ein Stück existiert nicht allein auf der Bühne. Es entsteht jeden Abend neu – gemeinsam mit den Menschen im Saal.

Vielleicht liegt darin auch eine Chance für diesen besonderen Ort in Bad Ems seine große Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern daraus eine kulturelle Zukunft zu entwickeln.

Informationen zum Festival und zum Veranstaltungsort beim Staatsbad Bad Ems

Unser Dank gilt den Veranstaltern des Gegen den Strom – Festivals an der Lahn, dem Team vor Ort und natürlich allen Besucherinnen und Besuchern, die diesen Abend mit uns erlebt haben

Wir nehmen viele schöne Eindrücke mit – von einem begeisterungsfähigen Publikum, einem außergewöhnlichen Theater und einem Ort, von dem wir hoffen, dass er tatsächlich wieder zu einem lebendigen kulturellen Mittelpunkt wird.

Und wir würden sehr gerne wiederkommen.

Denn manchmal findet ein Stück genau das Theater, in das es gehört.

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