Veröffentlicht am 12. März 2025
Diese Parallele blieb im Raum stehen, während wir den Schülern die beklemmende Gegenüberstellung von Anne Franks Tagebucheinträgen und den Worten aus Hitlers „Mein Kampf“ präsentierten. Die Reaktionen auf diese Konfrontation waren intensiv: Betroffenheit, Nachdenklichkeit und schließlich eine engagierte Diskussion über die Aktualität der Themen.
Schnell wurde klar: Die Vergangenheit liegt nicht so weit zurück, wie es manchmal scheint. Die Ideologie, die einst Millionen Menschen in den Abgrund riss, wirkt in anderer Form bis heute nach. Das zeigte sich besonders in der Auseinandersetzung mit Sprache als Mittel der Manipulation. Begriffe wie „Umvolkung“ oder „Systemparteien“ knüpfen an Hetz-Rhetorik an, die bereits in den 1930er-Jahren benutzt wurde.
Ein wichtiger Aspekt der Diskussion war die Frage, wo und wie sich junge Menschen heute informieren – und welche Gefahren darin lauern. Soziale Netzwerke wie TikTok oder YouTube sind keine neutralen Orte. Sie werden von Algorithmen gesteuert, die extreme Inhalte oft gezielt verstärken. Wer sich ausschließlich dort informiert, läuft Gefahr, in einseitigen digitalen Räumen gefangen zu sein. Die Schüler erkannten, dass es darauf ankommt, bewusst gegenzusteuern: Informationen aus verschiedenen Quellen zu beziehen, kritisch zu hinterfragen und den direkten Austausch mit anderen Menschen zu suchen.
Aber die Diskussion beschränkte sich nicht nur auf digitale Medien. Es ging auch um die Verantwortung jedes Einzelnen. Was kann man tun, wenn Hass und Hetze wieder salonfähig werden? Wie begegnet man Parolen, die spalten und Feindbilder schaffen? Die Schüler suchten nach Antworten – und fanden sie in der Geschichte von Anne und Cato. Beide standen auf der Seite der Menschlichkeit. Anne mit ihrer unerschütterlichen Hoffnung, Cato mit ihrem aktiven Widerstand. Ihre Stimmen dürfen nicht verstummen.
Die intensive Auseinandersetzung an diesem Tag zeigte, dass „Annes Kampf“ nicht nur ein Theaterstück ist. Es ist eine Mahnung, sich einzumischen – im echten Leben, mit echten Menschen.
Doch kaum war der letzte Vorhang gefallen, überschlugen sich die politischen Ereignisse auf beängstigende Weise und unterstrichen die bedrückende Aktualität unseres Theaterstücks.
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