Sammy Blum
Veröffentlicht am 17. März 2026
Am 13. März 2026 gastierten wir mit unserem Theaterstück „Davon geht die Welt nicht unter“ im Stadttheater Lippstadt. Es war ein Abend, der gezeigt hat, was Theater kann, wenn es mehr will als nur unterhalten: Es kann berühren, irritieren und Diskussionen auslösen.
Die Mischung aus musikalischer Leichtigkeit, Humor und klarer Zeitbeobachtung machte schnell deutlich: Hier geht es nicht nur um Vergangenheit. Die 1920er Jahre wirken wie ein Spiegel – und dieser Spiegel zeigt überraschend viel von unserer Gegenwart.
Das Stück erlaubt Lachen – und nutzt genau diesen Moment, um Erwartungen zu brechen. Was zunächst leicht wirkt, entwickelt eine zweite Ebene. Und genau dort entsteht Reibung.
Die Frage, wohin sich Gesellschaften entwickeln, wenn ideologische Denkmuster dominieren, steht nie plakativ im Raum – aber sie ist durchgehend spürbar.
Einige wenige Zuschauer verließen die Vorstellung in der Pause. Das ist kein Zufall, sondern Teil der Wirkung.
Theater, das nichts auslöst, wird von allen akzeptiert. Theater, das etwas berührt, erzeugt unterschiedliche Reaktionen.
Die große Mehrheit blieb – konzentriert, wach und sichtbar involviert.
Am Ende reagierte das Publikum mit Standing Ovations.
Nicht als Routine, sondern als klare Antwort auf einen Abend, der mehr wollte – und genau deshalb nachwirkt.
Theater kann Räume schaffen, in denen gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar werden. Ohne Filter, ohne Verkürzung.
Gerade öffentlich geförderte Bühnen tragen Verantwortung, diese Räume zu öffnen – auch dann, wenn es unbequem wird.
Der Abend in Lippstadt zeigt:
Ein Theater, das allen gefallen will, bleibt oberflächlich.
Ein Theater, das Reibung erzeugt, bleibt relevant.
Die Parallelen sind da – sichtbar für diejenigen, die hinsehen wollen.
Dieser Abend hat keine Antworten geliefert. Aber er hat Fragen gestellt, die bleiben.
In einer Zeit, in der diese Ideologie, die eine Volksgemeinschaft über Blut und Boden konstruiert, wiedererstarkt, in der sich Rechtsextreme hinter einer bürgerlichen Maske verstecken und sich in unsere Parlamente wählen lassen, ist es wichtig, den Kampf des kleinen Tagebuchs gegen den großen Diktator aufzuzeigen, um so einmal mehr ein Gespür und Gehör für unsere Geschichte zu entwickeln. Denn Geschichte besteht immer aus Geschichten. Und Geschichten bestehen aus Schicksalen.
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Urkomische Dialoge, bei denen die Fetzen fliegen, temporeiche Szenenwechsel, schnoddriger Mutterwitz, bissiges Kabarett und ein großer musikalischer Spaß: Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Claire Waldoff, Billy Wilder – all diese großen Humoristen haben unverkennbar bei diesem Stück Pate gestanden. Sie hätten ihren Spaß an diesem temporeiche Theatervergnügen, das die 20er Jahre feiert und trotzdem brandaktuell ist.
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