Sammy Blum · 05. August 2026
"Stimmen zur Uraufführung
Fulminante Vorstellungen von „Zu Guter Jetzt“ liegen hinter uns, die das Publikum sowohl bei der Uraufführung am 17. Juli als auch bei der zweiten Vorstellung am 18. Juli mit Standing Ovations quittierte. Noch schöner, dass Einige uns ihre Eindrücke anschließend mitgeteilt und uns erlaubt haben, sie hier zu veröffentlichen:
LiloWanders
David Perez Anido, Orchestermanager Stralsund
Das neue Stück – Zu guter Jetzt – nimmt mich als Zuschauerin flugs in eine
Fantasiewelt zwischen irdischem und postmortalem Leben. Die assoziations-
und witzreichen Gedankenfunken sprühen nur so hin und her, sowohl in den
Monologen von Pandora als auch in den Dialogen mit ihrer Tochter Eva und deren
Partner. Der Spannungsbogen hält mich in Atem, weil die Bewegungen der
Figuren als Sprechende, Musizierende und Tanzende nie abreißen.
Ein Feuerwerk an immer neuen, lustvollen Wendungen. Die eingebundenen Songs
sind teils bekannt, teils von M. Blum selbst geschrieben. Stepptanzeinlagen
und instrumentale Intermezzi befeuern die Sinneswelt. Jede, jeder für sich
ein wahrer Genuss; singend oder auch Marjin Seiffert mit einem warmen, satten
Geigenton und Gilbert Millich mit einer überraschend weich und unglaublich
virtuos gespielten Bassposaune. Unerhört - im wahrsten Sinne des Wortes -
so etwas habe ich nie zuvor erlebt. Bei dieser detailreichen Fülle an Spielideen
und dem rasanten Spieltempo verging die Zeit im rauschhaften Flug. Da möchte
ich dieses Stück gerne ein weiteres Mal sehen und empfehle es hiermit wärmstens.
Doris Sondermann, Hamburg
Gü., Berlin
Eigentlich ein todernstes Thema, das dort auf der Bühne verhandelt wird,
und das dennoch viel Gelegenheit zum Lachen bietet, nicht zuletzt durch
Mariannes wunderbare Mimik und Gestik in ihrer Rolle als verstorbene Mutter.
Interessant auch die filmischen Einsprengsel nach der Pause mit Erklärungen
zur Sage “Orpheus und Eurydike”, die für mich allerdings etwas kürzer und
prägnanter hätten sein können, um das Wesentliche dieser Geschichte und deren
Bezug zum Stück zu verdeutlichen.
Im zweiten Teil nimmt die Handlung an Fahrt auf und hat mich beeindruckt
durch Mariannes junge Mitspieler, Marijn Seiffert und Gilbert Millich, die
mir sehr gut gefallen haben. Sie singen und tanzen und spielen perfekt ihre
Instrumente, die Geige und die Posaune, und ergänzen hervorragend die erfahrene
Marianne Blum.
Genial auch der Auftritt von Sammy Blum, der auf und vor der Bühne den Vater
der Tochter und Ehemann der Verstorbenen gibt. Ohne auch nur ein Wort zu
sprechen, bleibt sein Auftritt durch seine coole äußere Erscheinung und seine
überaus gelungene Onomatopoesie in der Szene mit dem Telefongespräch in
bleibender Erinnerung.
Ich freue mich schon auf die kommenden Stücke von Marianne!
Frauke Brieger, Rügen
Wir hatten am Montagabend viel Spaß und dafür möchte ich mich einfach
mal bedanken, weil das vermutlich viel zu selten geschieht.
Ich bin immer noch beeindruckt, wie ein solches Stück mit nur
drei (einhalb) Personen auf der Bühne funktionieren kann. Das dürfte
auch mit den vielfältigen Fähigkeiten der Beteiligten zu tun haben.
Marijn Seiffert habe ich hoffentlich nicht das letzte Mal in so vielen
verschiedenen Disziplinen als Zuschauer erleben dürfen. Wenn es in
den NRW-Sommerferien im kommenden Jahr wieder eine Vorstellung von
euch in Putbus gibt, werden wir sicher erneut zu Gast sein. Noch
einmal vielen Dank für die tolle Arbeit und liebe Grüße
Dennis Görlich, NRW
Anna Maria Haas, Saulheim
Hildegard Gacek, Wuppertal
What bleibt, wenn die Mutter stirbt? Im musikalischen Theaterstück „Zu guter
Jetzt“ ist die erste Antwort der verwaisten Tochter Eva nicht Trauer,
sondern Schuld. Hätte ich öfter anrufen sollen? Hätte ich sie häufiger
besuchen müssen? War ich eine gute Tochter? Das Stück trifft damit einen
Nerv, der weit über die individuelle Geschichte hinausreicht. Es erzählt
von einer Schuld, die viele Mutter-Tochter-Beziehungen begleitet
– einer Schuld, die oft schon im Moment der Todesnachricht schwerer
wiegt als der Verlust selbst.Dabei stellt sich die Frage, ob dieses
Schuldbewusstsein tatsächlich aus persönlichem Versagen erwächst oder ob
es nicht vielmehr Teil eines transgenerationalen Erbes ist. Frauen wird
seit Jahrhunderten zugeschrieben, für Beziehungen, Fürsorge und das
emotionale Wohlergehen Anderer verantwortlich zu sein. Wie Pandora,
die zur ewigen Trägerin ihrer Büchse wurde, scheinen auch Mütter und
Töchter ein Päckchen weiterzureichen, das nie ganz abgelegt werden darf.
Die Schuld lebt fort – im Großen, in gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen
und strukturellen Ungleichheiten, wie im Kleinen, in familiären Erwartungen
und unausgesprochenen Verpflichtungen. Muss diese Büchse tatsächlich immer
weitergegeben werden, oder ist Vergebung der einzige Weg, sie endlich zu
schließen? „Zu guter Jetzt“ sucht darauf eigene Antworten. Es tastet sich
durch Erinnerungen, familiäre Verstrickungen und zwischenmenschliche Brüche,
mal pointiert, mal bewusst chaotisch. Gerade diese Offenheit macht den Reiz
des Abends aus - trotz irritierender wiederkehrender Entscheidung, Evas
Trauer abrupt durch Musik- und Tanznummern zu unterbrechen. Nicht immer
erschließt sich, was sie aus ihrer Verzweiflung in diese plötzliche
Ausgelassenheit treibt oder welchen dramaturgischen Mehrwert dieser Bruch
haben soll. Die emotionale Wucht verliert dadurch stellenweise an Tiefe.
Dennoch bleibt „Zu guter Jetzt“ ein unterhaltsamer und zugleich nachdenklicher
Theaterabend. Er stellt die unbequeme Frage, ob wir wirklich um unsere
Mütter trauern – oder zunächst um die Schuld, die wir mit ihrem Tod endgültig
nicht mehr loswerden können. Gerade darin liegt seine größte Stärke.
Sehenswert ist das Stück allemal.
Anna Gleser, Berlin
Aus dieser eher traurigen Tatsache entwickelt sich eine rasante meist komische
aber auch nachdenkliche Geschichte über die Familie, mit Ausflügen in die
griechische Mythologie. Alle drei Hauptdarsteller*innen zeigen sehr viel
Spielfreude und beweisen ihre Talente in unterschiedlichen Disziplinen.
Es ist eine Freude zuzusehen, wie auf der Bühne gespielt, getanzt, gesteppt,
gesungen und immer wieder Geige und Bassposaune gespielt wird.
Die gut eineinhalb Stunden (plus Pause) vergehen wie im Fluge
(mit immer wieder viel Zwischenapplaus). Es gibt viel zu lachen aber
auch nachdenkliche Töne. Der überraschende Schluss, gibt der ganzen
Geschichte dann noch eine unerwartete und amüsante Wendung.
Es war ein klasse Abend in dem bezaubernden Fürstlichen Theater zu Putbus auf Rügen.
Fazit: Auf gar keinen Fall verpassen!
Andreas + Günther aus Berlin